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Unisport, 19.00 Uhr.
Beim Seitenwechsel merke ich, wie mir der Schweiss die
Wadeninnenseite herabrinnt, ein Hoch auf die Evolution
und ihre Erfindung der Augenbraue. Ich stehe konzentriert
und erwarte den Aufschlag meines Gegners. In hohem Bogen
fliegt der Ball auf meine Seite, wilde Wechsel entstehen,
eine Feder fliegt ins Spielfeldaus und der Aufschlag
ist mein.
Dieses kontemplative und hochenergetische Spiel ist
der sportliche Abschluss meiner Woche. Freitag –
Badmintontag. Jeder, der eine Sportart bis zur totalen
Muskelzerrung betreibt, der am Ende Sternchen sieht
und dabei debil-zufrieden grinst, weiß, wovon
ich rede. Nur bleibt mir die kontemplative Ruhe meistens
nicht bis zum Schluss der Veranstaltung vergönnt,
drängen sich doch meistens schon eine Viertelstunde
vor Spielende große, haarige Werbeträger
in wäschesackartigen Shorts am Spielfeldrand, ihr
orangenes Unding immer in Bewegung – Basketballer.
Zuallererst eine Richtigstellung. Ich habe nichts gegen
Basketball, ein Gourmet ist auch gerne mal SchniPoSa
bei Manni anne Bude. Doch allein der Unterschied zwischen
einem federleichten (sic!) „Vopp“ und dem
Bodenaufschlagsgeräusch „Dotz!“ eines
Basketballs sagt eigentlich schon alles. Die soziale
Komponente, das Gemeinschaftsspiel, mag der NBA-geneigte
Leser nun rufen. Mal ehrlich, machen die Mannschaften
nicht größtenteils den Eindruck, sie tragen
die Starallüren eines FC Bayern in potenzierter
Form auf den Platz? Um so schlimmer also, wenn eben
kein Dirk N. den Platz betritt, sondern leider doch
nur „Mathe, Sport im 9. Semester“. Ich kann
mir nicht helfen, aber es muß sich hier um eine
Charakterfrage handeln. Schwitze ich lieber alleine
oder doch eher im Rudel? Besonders in der Defense unter
dem Korb. Lecker. Habe ich Spaß dabei, den Ball
sauber auf die Linie zu setzen oder dabei, die Belastungsgrenze
meines Brustkorbs aufzuspüren? Zisch oder Rumms.
Seufz.
Die Frage ist sehr wahrscheinlich noch grundsätzlicher.
Trendsportart gegen Randsportart. Bei einem gut versenkten
Korbschuss wackelt die Halle, ein Dutzend blonder Silikonmonster
wackelt mit, die Menge tobt. Beim Killerstopball des
Jahres hingegen schallt ein einsames „Yes“
über den Platz. Das muß reichen, wenn nicht,
geh’ Basketball spielen.
Auf Dauer faszinieren kann mich eine Sportart nur, wenn
sie verschiedene Elemente vereint, die für sich
genommen schon schwer zu erlernen sind. Shaq Attack
ist vier Meter groß, kann keine Freiwürfe,
dunkt aber so gut wie alles, was er zu fassen kriegt
(Schiedsrichter eingeschlossen). Super.
Wenn ich meinen Schläger auspacke, dann bereite
ich Angriffe vor wie ein Fechter, umtanze, schneide,
fühle den Ball, und explodiere schließlich
wie ein berserkender Holzhacker aus den Rocky Mountains.
So wird es bleiben, so soll es bleiben. Denn auch nächsten
Freitag werde ich mir meine Freude am Schweiss, am Kampf
Mann gegen Mann nicht nehmen lassen. Bevor mich die
Dreifachhalle zu sehr an das Neandertal erinnert, verlasse
ich rechtzeitig die Stätte meiner sportlichen Triumphe.
Um einsam pfeifend und guter Laune der Heimat entgegenzuradeln.
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