the olr sudelbuch
 
mystisches cd-brennen -
neue technikriten vor dem entscheidenden diner
 
Wer kennt es nicht?
Letzte Woche den Schwarm Deines Lebens getroffen und nun vor dem alles entscheidenden Diner bei Dir zu Hause noch schnell die Lieblingslieder auf CD gebrannt. Das heilige akustische Aphrodisiakum in Scheibenform.
Stings "Fields of gold" kein Problem, aber dann: mit windowseigener Penetranz ("Plönk") hupt mir der Rechner zum dritten Mal den Klassiker auf den Schirm: "Buffer underrun" (Schreibpuffer leer). Was wie ein taktischer Befehl beim Football klingt, bereitet mir feuchte Finger. Eine Stunde noch bis zu ihrem Eintreffen und immer noch nix in den Händen. Und immer bei "Ma bijou" von Queen. Soll ich das persönlich nehmen? Das Mahl steht der Wein ein Traum, Musik Fehlanzeige. Ich kann doch in der entscheidenden Phase nicht zwischen Bett und CD-Regal hin- und herspringen. Wie sieht das denn aus? Etwa wie einer, der keine CDs gebrannt bekommt? Nee, heute abend muss Makellosigkeit regieren. Seit "La vita è bella" bin ich davon überzeugt, dass magisches Händefuchteln das gewünschte Ergebnis bringt.
Und so sitzt nun ein zahnloser Schamane vor dem Monitor. Der Auflauf ist fertig. Reisst mein energetischer Einfluss ab, wenn ich das Zimmer verlasse. Ich probiere es mit gestischer Fernspeisung aus der Küche. In den entscheidenden Sekunden des Brennvorgangs müssen die Hände in den Ofen. Kräftig weitermurmeln. Ich fühle mich wie ein WM-Zuschauer, dem beim Sudden Death die Antenne verendet. Es klingelt. Ich fluche, lege mein oeuvre auf die Tafel und stürme zur Tür. Mit Chaos im Blick überhöre ich das sanfte "Pling" des erfolgreichen Brennvorgangs. Ungläubig bremse ich ab, wische mir den Schweiss des Siegers von der Stirn. Mit einem weisen Zaubererlächeln lege ich langsam die Hand an die Klinke...

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© olr 2002, letzte änderung: 27/08/02