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olr sudelbuch |
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eine
zeitlose oase -
das gellértbad in budapest |
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Im
Jahre 1918 wurde das Szent Gellért Heilbad und
Hotelgebäude erbaut und am 26. September übergeben.
1927 wurde das Wellenbad und 1934 das Sprudelbad errichtet.
Das Bad ist weltweit bekannt und ist der meistbesuchte
Badeort Ungarns. Im Heilbad können viele Heil-dienstleistungen
in Anspruch genommen werden. Es sind eine komplette
Physioherapieabteilung (Tagesklinik), eine Physikotherapieabteilung
sowie ein Inhalatorium vorhanden. Neben dem Sprudel-
und Wellenbad befindet sich eine Damen- und FKK- Sonnenterrasse,
die von April bis September geöffnet ist. Die Gäste
des Gellért Hotels nehmen die Dienstleistungen
regelmäßig in Anspruch.
(Quelle:http://www.budapestinfo.hu/de/sights/gellert.html)
Das Bad ist mit seiner großen Neontafel auf dem
Dach schon von Pest aus gut zu sehen. Der Gang über
die Erszebet-Brücke mit ihren kupferspan-grünen
Stützpfeilern steigert die Vorfreude auf das, was
kommen mag. Der Eingang zum Schwimmbad ist vom Hotelkomplex
getrennt und führt in eine andere Welt. Die aber
noch auf sich warten läßt, schließlich
drängen sich in der Eingangs- und Wartehalle etliche
Touristenhaufen gegeneinander, alle tief versunken in
das Studium der Preis- und Ange-botstafel. Lautes Geschnatter
über den einen oder anderen Anwendungspunkt. Zu
lesen und zu testen gibt es einiges, so z.B. Iontophorese
(Wasser-behandlung mit in seiner Intensität regelbarem
Gleichstrom) oder Therapieformen, die stark an Galvanis
Froschschenkelversuche erinnern. Der Kassenschalter
wirkt in seiner Unbequemlichkeit sehr chinesisch. Als
Schwimmbadbesucher muss ich mich tief herunterbücken,
um durch einen kleinen Rundbögen auf Bauchhöhe
Geld und Ticketwunsch durchzuschieben. Für einen
Betrag von 1700 Ft. (~7 €) stehen mir ab zwei
Uhr nachmittags der große Pool und das Thermalbad
zur Verfügung. Lediglich einen Blick auf die ganze
Pracht der Jahrundertwende werfen wollen, ist ebenfalls
möglich. Dafür löst man eine "Bahnsteigkarte"
und betrachtet, durch eine große Glasscheibe getrennt,
Schwimmerinnen und Schwimmer bei ihrem ent-spannten
Tun. Und verführt damit so manchen alten Budapester,
gerade dem Becken entstiegen, ein wenig den Hampelmann
an der Scheibe zu spielen.
Durch einen langen, komplett gefliesten Gang gelange
ich nach etlichen Biegungen in den Umkleidebereich.
Hier überreiche ich einer resoluten Dame in weisser
Bademeisterkleidung die beiden Tickets mit der Aufschrift
"Eintritt bezahlt" und "Leihbadehose",
worauf sie mir ein schwarzes Modell passender Größe
zuwirft und eine Umkleidekabine aufschließt. Dieses
Eingangsprozedere schliesst mit der vorsichtigen Überreichung
eines silbernen Metallplättchens, in das meine
Kabinennummer (185) eingestanzt ist. Endlich stehe ich
mit Badehose in der Haupthalle, wo mich sogleich der
imposante Anblick des Pool-Atriums empfängt. Amüsiert
betrachte ich die vielen blauen Plastik-hauben, mit
denen man allein das Schwimmbecken betreten darf.
Zuerst jedoch zieht es mich in den Thermalbereich. Vom
Pool aus gelange ich durch eine geschlossene Tür
mit Klingel (schliesslich handelt es sich hier um einen
reinen Männerbereich) in den richtig faszinierenden
Teil des Gellertbades. Ich nehme mir einen Lendenschurz
aus weisser Baumwolle, den ich statt der Leihbadehose
verwende. Erstaunlicher-weise bedeckt das Tuch nur die
Vorderseite und so laufen alle Besucher mit einem Gladiatorenschurz
und blankem Hintern durch die Hallen.
Ich stehe in der grossen Thermalhalle mit zwei Becken.
Man nehme ein Haus in Pompeji vor dem Vulkanausbruch
und fülle es zur Hälfte mit Wasser. Mosaiken,
bunte Kacheln, kleine Reliefarbeiten und genug Tageslicht
aus der teils durchsichtigen Decke, um alles bestaunen
zu können. Der Abstieg ins Wasser erfolgt über
einige Treppenstufen und warmes Wonnegefühl erobert
meinen Körper im Nu. Ich wate langsam an den Rand
des Beckens, wo mich der Kopf eines wasserspeienden
Drachen mit noch wärmerem Wasser empfängt.
Entspannt (schon jetzt) lege ich meine Arme auf den
gekachelten Sims hinter mir und beobachte Menschen und
Gebäude gleichermassen. In diesem Moment bleibt
die Zeit stehen. Ich bewege mich langsam durch das 38
Grad warme Wasser und interessiere mich für die
reichhaltige Unterschied-lichkeit der menschlichen Physiognomie.
Hier ein beeindruckender sehniger Greis, der sich langsam,
aber kraftvoll am Treppengeländer aus dem Wasser
zieht, neben dem der voluminös aufgeblähte
Bodybuilder weniger imposant erscheint. Dort der japanische
und koreanische Tourist, der so erstaun-lich gut in
dieses Interieur passt. Das verrät die Spur Entspannung
und Zufriedenheit, die seinem sonst so stoischen Gesichtsausdruck
entweicht. Ich bade in mehr als diesem leicht schwefelhaltigen
Wasser, ich bade in einem zeitlosen Raum, voller entspannter
Konzentration auf die Bewegungen nd Reaktionen meines
Körpers. Ich sehe Lehrer Lämpel vorbeiziehen,
gross und dürr mit Kugelbauch und Nickelbrille,
es erscheint eine Gruppe ungarischer Sumoringer, deren
Wasserverdrängung bedrohliche Ausmaße annimmt,
ich sehe durchtrainierte, kraftlose, nervöse und
souveräne Menschen. Viele sind zum ersten Mal hier
und bewundern wie ich, was in diesem Moment passiert.
Stammgäste sitzen halb im Wasser und diskutieren
angeregt-entspannt auf den Treppenstufen „ihres“
Beckens. Langsam bewege ich mich auf die Stufen zu und
verlasse die Halle.
Hinter dem Torbogen sind eine Anzahl Duschen in die
Wand eingelassen und - das Eisbecken. Klein, gemein
am Anfang und anschließend äußerst
grandios. Ein kurzer Tauchgang in die Kälte und
schleunigst in den kleinen Raum, der irritierenderweise
„Gözkamra“ (Gaskammer) heißt
- die Sauna. Ein kurzer, mehrmaliger Wechsel zwischen
Dampfhölle und Eiswasser und mein Kreislauf ist
in Höchstform.
Ein erneuter Abgang ins Schwefelbecken, Zeit für
Beobachtung und Kontemplation Teil II und so verwundert
es nicht, wenn ich mit einem nachlässigen Blick
auf die Uhr feststelle, dass ich bereits vor zwei Stunden
das Bad betreten habe.
Ein wenig Frei- und Kurbadatmosphäre macht sich
breit, als ich den Thermalbereich verlasse und mich
auf die Terasse zu den Freibecken begebe. Ein grosses
schmuckes und ein kleines dampfendes Becken machen mir
die Wahl einfach. Ich ent-scheide mich für das
Thermalbecken mit Blick auf die Rückseite des Bades
und die benachbarte Strasse.
Abschliessende Bahnen drehe ich mit blauer Mensahaube
unter den gestrengen Augen des Bademeisters und den
neugierigen Blicken der Fenstergäste im großen
Säulenpool. Die Halle durchflutet gelbes Licht,
Marmorsäulen verleihen diesem Ort eher Grandezza
als Gemütlichkeit, und so paddle ich staunend die
Bahnen entlang in Begleitung etlicher anderer Haubenträger.
Kurz vor fünf kündigt sich das Ende der Öffnungszeit
an, indem einfach alle gehen und so bleibt mir Zeit
zu trocknen, die Kamera zu holen und in Badehose ein
paar Bilder zu schiessen.
Der Wartesaal ausserhalb des Umkleidebereiches erinnert
eher an das Mittelschiff einer Basilika. Mächtige
Leuchter an der Wand und die imposanten Mosaiken überall
wirken umso beeindruckender, da ich mich müde,
erfrischt und zufrieden an eine enorme Marmorsäule
anlehne und letzte Bilder schiesse. Die Tür nach
draussen führt abrupt zurück in die Welt der
Zeit und der Geschäftigkeit.
Ich klatsche in die Hände und marschiere frohen
Mutes zurück in die Innenstadt.
Budapest, den 5. Oktober 2002
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olr 2002, letzte änderung: 25/10/02 |
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