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im
folgenden muss einfach mal ein wenig luft heraus, angesichts
der enttäuschung, die einem als arbeitswilligen,
engagierten geschichtsstudenten an der heidelberger
uni täglich mit aller grausamkeit auf die zarte
studentenseele schlägt.
Wenn uniprofs das wort vorlesung wörtlich nehmen,
habe ich ein problem.
Kein mensch kann sich vier nebensätze auf einmal
merken, geschweige denn, daraus eine anständige
zusammenfassung basteln. Darum läuft tief in der
legalen grauzone mein minidisc-spieler und bereitet
das hörspielvergnügen fürs kommende wochenen-de
vor. Professor x als märchenonkel: hänsel
und gretel, in meinem falle das k önigsehepaar
konrad und gisela gingen in den wald...
Dort herrschte nicht nur finsteres mittelalter, es war
auch noch sehr kalt.
Es fröstelt ihre majestät, die königin.
Der prozessionsmantel aus polyesterhermelin von h&m
scheint nicht zu wärmen. Also erschlägt sie
ihren gatten, flieht dahin, wo es warm ist, sagen wir:
italien, und wird weinkönigin in der toskana. Von
niemandem erkannt lebt sie, fröhlich durchs mezzogiorno
kopulierend, bis in die frühe neuzeit, hängt
bei jedem anständigen ritter im spind und hat auch
sonst keine sorgen.
Leider taucht selbst bei genauester untersuchung der
lateinischen quellen nirgends etwas auf, was gisela
zum dolce vita-luder machen könnte. Stattdessen
gebärt sie brav zwei söhne, hält ihr
maul und scheidet früh dahin. Super.
Und selbst wenn ich mir den burgalltag eher als medieval
rtl-soap vorstelle, so kann der stehpultonkel trotzdem
ein wenig mehr aus dem pädagogischen hut hervorzaubern
als ein paar mehrmals reanimierte quellensammlungen,
die auch nur noch ihre Ruhe haben wollen.
Mann, ich frage mich wirklich, ob ich als dozent nach
einer weile ebenso perfekt den kontakt zu meinen studenten
verlieren könnte wie der grabredner zehn meter
vor mir. Dann wird es nur noch einer handvoll mutiger
und entschlossener kampftaucher gelingen, mir in den
morast meiner spezialthemen nachzusteigen. Und wir werden
in 200 m unter normalnull eine einsame nasse party feiern...
Der oberrhetoriker ist in seiner vorlesung mittlerweile
irgendwo in blaubeurener blautopftiefen verschwunden
- augenscheinlich begleitet von höchstens einer
handvoll fleissig skribierender unterwasserprofis.
Es klingelt, auftauchen, schlamm abschmieren und flugs
nach hause, um meiner phantasie auf papier erste gestalt
zu verleihen. Anfangs noch verdutzt, weiss ich mittlerweile,
warum mittelaltervor-lesungen in mir wöchentlich
einen drang zur kreativen produktion erzeugen.
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