Wieso?
Warum jetzt? Warum ich? Allein die Fragen sind schon
falsch, bahnen sich im momentanen Wutausbruch jedoch
unnachgiebig ihren Weg ans Licht.
Wieso stürzt mir ausgerechnet jetzt der Rechner
ab, reisst das Staubsaugerkabel aus der Steckdose,
während ich in komplizierten Stellungen, die
der GSG9-Grundausbildung alle Ehre machten, unter
dem Bücherregal operiere? Wieso trete ich nach
dem Abtrocknen mit frischen Socken in die Pfützenlandschaft
des gerade benutzten Badezimmers? Worin besteht das
Erkenntnispotential eines bauch-gelandeten Nutellabrotes?
Welches „Heureka“ soll mir angesichts
traurig-brauner Schokofäden entfahren, wenn ich
Scheibe und Küchenboden vorsichtig voneinander
trenne? Welcher transzendentale Mehrwert erschliesst
sich mir, wenn Zehen am Stuhlbein hängenbleiben
und die O-Saft-Flasche beim hastigen Trinken die Zahnstellungen
korrigiert?
Die Antwort ist ganz einfach: Du bist zu schnell.
Nichts anderes. Jedes Objekt auf diesem Erdenball
bestitzt eine ihm eigene Gebrauchs-geschwindigkeit.
Nur liegt diese Ziffer meist viel tiefer als die momentan
im Einsatz stehende PS-Zahl, mit der ich meine Bewegungsmaschinerie
überlade. So besitzt jeder Staubsaugerstecker,
jede Brotschmieraktion ebensoviele links- oder rechts-gerichtete
„Achtung Kurve, Geschwindigkeit verringern“-Dreiecks-schilder
wie die gemeine deutsche Landstraße durch Eiffel
oder Hunsrück. Nur werden die auf der Straße
weniger übersehen.
Die Folgen sind ähnlich letal. Zumindest vom
Gefühl her, wenn ich einbeinig durch die Wohnung
hüpfe und lauthals fluchen muss. Daher mit Spass
an der zusätzlichen Bewegung das Marmeladenglas,
theatralisch überhöht, aber passgenau, eingedreht,
jegliche Bestuhlung meines Zimmers kindisch umflogen
und trotz nasser Socken und schmerzender Zähne
Richtung Uni unterwegs.
Dabei das Lachen nicht vergessen, wenn unterwegs die
Erkenntnis naht, dass dort sonntags wenig los sein
wird.