the olr sudelbuch
 
Der glorreiche Kampf gegen Sammelwut und Konsumschwere
 
Manche nennen es feng shui, andere sprechen von simplifizierender Lebensführung, ich sage Wech mit dem Scheiss!

Seit Stunden sortiere ich nun schon alte Briefe aus. Mit einer rabiaten Konsequenz, die mich selber beeindruckt. So viele Namen, so viele Zeiten. Um so schöner aber, dass nicht wirklich viel in die extra bescheiden ausfallende Briefschachtel wandert, die mein Zimmer von nun an schmücken soll.
It´s garbage time!
Schluss mit der pseudoaktiven Scheinmobilität meiner Bleistifte, Radiergummis und Post-it-Zettel. Die Jahre des fröhlichen Umherwanderns zwischen linker oberer und rechter unterer Schublade sind vorbei! Ein rascher Blick, eine wägende Hand und - pfeffer! - ab in den Mülleimer. Binnen weniger Halbstunden hat die kleine Tonne eine wackelige Volumenvergrößerung nach der anderen hinter sich und läßt mich vollends zu den schweren blauen Müllsäcken greifen. Ha! Dieser Schrei nach Luft und Raum braucht professionelles Material. Schon sehe ich mich mit orangefarbener Reflektorjacke und Entsorgungs-Kennerblick die heilige Wohnhalle durchschreiten, voller Freude über jedes Gramm, das weichen muss. Hier und dort und das und mit Schmackes in den PVC-Sarg. Mit speichelnden Mundwinkeln schreibe ich rotfarbige Kraftausdrücke in den IKEA-Katalog, lege alte Zigeunerflüche über Schöner Wohnen und wähle zum wiederholten Male die Bestellnummer von Manufactum, um gleich wieder aufzulegen. Harhar. Was bleibt: Bücher, Bett und Schreibtisch und an Sonntagen noch ein Teppich. Es lebe die gerade Linie.
Gerade solange, bis zierliche Füsse während eines einzigen (!) Rundganges durch mein Zimmer diese Ode an die Einfachheit in eine beeindruckende Huldigungsstätte aller Kleidergottheiten verwandeln werden. Seufz. Bis dahin erfreue ich mich am leichten Hall meiner Stimme und die Müllabfuhr nächsten Montag.

....................................................................................
© olr 2002, letzte änderung: 21/12/02